Zwei Probleme hat die Frau…….

absurdistan von Andrea Winkler

Kennt jemand diese alte Dr. Oetker Werbung?

Zwei Probleme hat die Frau: was ziehe ich heute an und was koche ich meinem Mann?

Problem eins ist schnell erledigt, weil ich ja Hundetrainerin bin und in Deutschland wohne. Ich ziehe eine Regenhose an und Gummistiefel und eine Regenjacke und eine Mütze oder so. Zur Sicherheit habe ich mein Schlauchboot aufgepustet und mir ein Paddel besorgt.

Was koche ich meinem Mann, das gestaltet sich manchmal schwierig. Ich dachte ja, einmal am Tag für die Hunde kochen würde reichen und er passt sich an, aber letztens wollte er schon wieder nicht sein Tellerchen mit dem Blättermagen leer essen. Wodurch jetzt auch geklärt ist, warum es immer regnet und wer hier sein Tellerchen nicht leer gegessen hat!

Ich habe noch ein Problem. Das macht mich zum Nikolaus unter den Frauen, denn ich habe sozusagen einen ganzen Sack, den ich mit mir mitschleppe.

Das Problem heißt: wie komme ich an die Erlaubnis für Hundetrainer § 11 TSchG?

Das ist einfach. Ich packe mein Geldköfferchen und gebe den Inhalt an…….? Nein, das wäre doch zu einfach, ein paar Umwege muss ich machen. Wenn ich einfach mein Geld da abgebe und dafür das Zertifikat haben könnte, dann wäre das ööööööööööööööööööööööööööööööööööööööh seltsam.

Ich mach das anders. Ich will eine Zertifizierung von der TÄK in Schleswig Holstein. Deshalb kaufe ich die empfohlenen Bücher zur Prüfung von Frau Dr. Feddersen-Petersen und von Dr. Piturru. Kosten zusammen rund 140 €. Ich kann noch von einem anderen Tierarzt ein Buch kaufen. Nur nicht von einem Hundetrainer. Wozu auch? Was soll ein Hundetrainer schon über Hundetraining wissen?

Dann lern ich oder besuche Weiterbildungen zum Thema, die werden auch von Tierärzten gegeben und auch manchmal von Hundetrainern. Ich spar mir das und lerne nach den Büchern.

Und dann melde ich mich zur Prüfung an. Wer sitzt denn da und prüft? Z.B. Frau Dr. Feddersen-Petersen und Herr Dr. Piturru – die kenn ich ja schon. Wie gut, dass ich ausgerechnet deren Bücher gekauft habe. *schweißvonderstirnwisch*

Ich öffne also mein Geldköfferchen. 210,00 € muss ich für die Theorie bezahlen. Ich mache dann den doqs test mit Pünktchen zwischen den Buchstaben. Der doqs test hat Unterstützer: Tierärzte und Firmen der Pharmaindustrie. Hundetrainer sind hier nicht willkommen. Ich habe auch mal ins Impressum geguckt und sehe: Frau Dr. Feddersen-Petersen und Dr. Piturru – super: die kenn ich.

Ich öffne jetzt nochmal mein Köfferchen und hole für die praktische Prüfung und für das Fachgespräch und evtl. zu erfolgende Bescheinigungen 500 € raus. Falls ich so doof bin, wie ich manchmal aussehe, dann spare ich direkt für die Wiederholungsprüfung. Auch 500 €.

Für mein Hotel und die Fahrten zur Prüfung etc. zahle ich auch. Aber mein Hotel scheint keinem Tierarzt zu gehören. Ich rege das hiermit an. Das empfinde ich als Marktlücke.

Ja und dann habe ich das Zertifikat, das erlischt aber, wenn ich mich nicht einmal im Jahr fortbilde. Wenn ich das nicht mache, fällt mein Fachwissen von mir ab, zerbröselt im Staub, die Hunde, die ich anfasse wimmern ob meiner Unkenntnis und aus meiner Krone fällt ein Zacken. Auf meinen Zeh. Mit der Spitze zuerst. Das ist Murphys Law und gerecht.

Aber ich mag Fortbildungen. Ich habe mich gerade bei zwei Hundetrainern für eine Fortbildung angemeldet – aua, aua, aua…… Jetzt hat mich der Blitz getroffen, weil ich es immer noch nicht verstanden habe. Ich darf mich nicht bei irgendeinem Hundetrainer weiterbilden. Auch nicht bei einem zertifizierten. Die sind trotzdem doof.

Ich darf nur Fortbildungen von Fachtierärzten für Verhaltenskunde und/oder von Biologen, die für Säugetiere und Verhalten ausgewiesen sind besuchen.

Ja, mein Geldköfferchen kennt den Weg jetzt. Danke dafür.

2 Gedanken zu „Zwei Probleme hat die Frau…….

  1. Nichts zu lachen.

    Auch wenn sicherlich viel Zustimmung zur Satire „Zwei Probleme hat die Frau…“ auf Grund des § 11 Irrsinns berechtigt ist, so möchte ich gerne folgendes anmerken.
    Bevor man öffentlich auf ein Impressum verweist, sollte man sich informieren, ob die Namen der Personen die man anprangert, dort überhaupt (noch) vorkommen. Wenn diese dort nicht mehr zu finden sind, dann sollte man sich fragen, warum dies nicht der Fall ist.
    Wenn man seine Nachweise beim zuständigen Vet.Amt vorgelegt hat, überzeugt von der eigenen Fachkompetenz, nachgewiesen durch Teilnahmezertifikate von Fortbildungen und Seminarteilnahmen bei eben auch diesen Personen, so finde ich es befremdlich, sich nun darüber zu beschweren, dass eben diese Fachreferenten auch als Prüfer/innen zur Verfügung stehen können. Da doch ausgerechnet diese sich unbestritten von bundesweit prüfenden Amts- und sonstigen Tierärzten durch ihr Fachwissen positiv unterscheiden. Oder warum sind deren Vorträge und Seminare immer so gut besucht?
    Wenn man bei den Seminaren zuschauen kann, wie den Referenten/innen in den Pausen deren Fachbücher zur Signatur vorgelegt und sie um Selfies gebeten werden, eben weil sie um ihres Wissens beliebt sind und gehört werden, finde ich es umso befremdlicher, sich ausgerechnet dieser Fachleute als Hauptpersonen in einer Satire zu bedienen.
    Wenn man sich nicht in einem persönlichen Vieraugengespräch mit den namentlich genannten Personen über die Problematik der Trainer/innen-Zertifizierung unterhalten hat, sollte man mit Namensnennungen und „satirischen“ Anschuldigungen umsichtiger umgehen. Nur Reden bringt Klarheit und ermöglicht Fairness.
    Kommentare zur o.g. Satire, die auf Äußerlichkeiten eines Menschen abzielen und daraus einen Rückschluss über Sympathie, Antipathie oder Qualifikation zu ziehen, sind schlichtweg dumm.
    Weder auf der Internetseite der Tierärztlichen Arbeitsgemeinschaft Hundehaltung e.V. (TAG-H e.V.) noch auf den Internetseiten des DOG Test sind (mittlerweile) beide Namen in irgend einem Zusammenhang erwähnt. Fragt euch warum!
    Selbst die für die Hundehaltersachkundeprüfung empfohlene Literatur wird dort nur mit Buchtitel und ohne Autorennennung erwähnt. Fragt euch warum.
    Dass die Prüfer die, von wem auch immer festgelegten, Prüfungsgebühren nicht in die eigene Tasche stecken, sollte jedem klar sein. Die Namen der Prüfer mit den überzogenen Gebühren in direktem Zusammenhang zu nennen, ist irreführend und unfair.
    Dass Frau Dr. Feddersen-Petersen und Dr. Piturru die Bücher zur Sachkunde für Hundehalter heraus gebracht haben, heißt nicht, dass Sie Protagonisten der feindlichen Übernahme unseres Berufes durch die Tierärzteschaft sind. Das beide an der ersten Erstellung des DOG Test beteiligt waren, war ebenfalls vor Jahren dem Gesetz zur Überprüfung der Neuhundehalter (Niedersachsen) geschuldet. All das hat nichts mit der heutigen Problematik der § 11 Zertifizierung zu tun.
    Seht euch die Seiten der TAG-H e.V. und DOG Test an und ihr wisst, wer u.a. die wirklichen Protagonisten sind.
    Nebenbei bemerkt, wenn auch nur ein/e HT/in- Kolleg/in in einer Prüfungskommission sitzen würde, wie würde denn dann über diese/n im Internet geschrieben werden? Voller Hochachtung? Voller Anerkennung? Ohne auch nur das leiseste Gefühl dem/der Wettbewerber/in auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein? Wohl kaum.
    Ja, es ist eine schlimme, nervenaufreibende Situation. Es gibt sehr viele Hundetrainer/innen, die den ursprünglichen Gedanken der Zertifizierung begrüßten. Was daraus geworden ist, ist ein Trauerspiel. Aber es gibt eben auch viele Personen aus anderen Berufsfeldern der Canidenforschung, die überhaupt nicht mit den derzeitigen Vorgängen der Zertifizierung einverstanden und somit auf unserer Seite sind. Verschwörungstheorien sind kontraproduktiv.
    Bleibt souverän und geht nicht auf aufeinander los und diffamiert nicht einzelne Personen, nur weil der Frust euch genau wie mich immer wieder übermannt.
    Ich wünsche allen Kolleg/innen, die den beschwerlichen Weg der Zertifizierung noch vor sich haben ebenso alles erdenklich Gute, wie ich mir wünsche, dass die, die bereits zertifiziert sind, sich im Urteil und Äußerungen über noch-nicht-zertifizierte Kolleg/innen zu mäßigen.
    Wir sind das Vorbild für Hundehalter/innen unaggressiv und emphatisch mit Hunden zu verfahren. So sollten wir es auch mit unseren Mitmenschen halten.

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