Wann es Zeit wird, sich von seinem Beruf zu verabschieden

absurdistan von Andrea Winkler

Ich hatte einen Traum….

ich sah mich einen teuren Vorbereitungskurs buchen, so an die 400 € und dann fuhr ich den weiten Weg nach SH oder nach Niedersachsen und buchte mir ein Hotel und machte die ganzen Prüfungen für äh nochmal viel Geld – das Geld kam aber auch gar nicht in meinem Traum vor, der war ja schön, ach ne, ich wurde nur von Tierärzten geprüft, doch nicht so schön.

Aber ich schweife ab.

War doch schön, ich bestand die Prüfung und bekam meine Zertifizierung, endlich nach Zeiten der Ausbildung, der praktischen Erfahrung und etlichen Seminaren erlangte ich durch eine Prüfung endlich Sachkunde. Ich war so gerührt, ich glaube, ich habe in paar Tränchen im Schlaf vergossen.

Damit schwebte ich zum .Amtsveterinär – ich bin sachkundig – endlich! Nach all den Jahren.

Meine Kunden können aufatmen, nachdem ich vorher sachunkundig deren Hunde trainierte, bin ich durch die Prüfung fit wie ein Turnschuh. Vor allem eine Frage aus der Prüfung hat mein Leben verändert.

Welche Eigenschaft darf ein Hundetrainer nicht haben?

Na, da habe ich gegrübelt. Hm, es geht ja um Tierschutz und Sachkunde, was kann da die Antwort sein? Ist “blöd” eine Eigenschaft oder eher ein Geisteszustand? Er darf keine Angst vor Dreck haben. Aber reicht das. Und, oh je, die Frage war ja andersrum gestellt, also wäre die Antwort eine Dreckphobie? Angst vor Herzwürmern? Jähzornig. Das scheint mir eine gute Antwort zu sein! Denn ein jähzorniger Trainer würde vielleicht den Hund hauen. Obwohl, meistens überlegt man ja eher, ob man dem Halter mal vorsichtig an die Stirn klopfen darf. Okay, meine Kunden hören jetzt mal kurz weg – obwohl, die sind ja Kummer gewohnt. Immerhin gehen sie schon länger zu der sachunkundigen Tante.

Aber zurück zur Frage, welche Eigenschaft, welche Eigenschaft?

Soll ich das überhaupt verraten, nachher meldet sich jemand zur Prüfung an und besteht, nur weil ich die Antworten verrate. Und weil ich ja nicht da war, so persönlich bei der Prüfung, kenne ich es ja nur so vom Erzählen.

Ne, ich sag die Antwort nicht. Ihr dürft raten und wer die richtige Antwort hat, wird Hundetrainer. Oder Tierarzt. Irgendwas halt.

Ach so, mein Traum: also dann kommt die Erlaubnis. Die ist nur befristet, klar, wo ich doch sachkundig und zertifiziert bin, da darf ich nicht länger als 3 Jahre arbeiten, sonst beruhigen sich meine Nerven zu sehr und ich schlaffe ab. Nicht gut. Oder ich bin gestorben, dann wäre es auch blöd, wenn ich einfach weiterarbeiten könnte.

Und dann lese ich das:

Gemäß § 16 Abs. 3 TierSchG dürfen Personen zur Durchführung der Ihnen durch das TierSchG übertragenen Aufgaben:

1. Grundstücke, Geschäftsräume, Wirtschaftsgebäude und Transportmittel des Auskunftspflichtigen bzw. der für die Tätigkeit verantwortlichen Personen während der Geschäft- oder Betriebszeit betreten.

2. Zur Verhütung dringender Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit

a) Die in Nr. 1 bezeichneten Grundstücke, Räume, Gebäude und Transportmittel außerhalb der dort genannten Zeiten

b) Wohnräume des Auskunftspflichtigen bzw. der für die Tätigkeit verantwortlichen Person betreten; das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschränkt.

3. Geschäftliche Unterlagen einsehen,

4. Tiere untersuchen und Proben, insbesondere Blut-, Harn-, Kot- und Futterproben, entnehmen,

5. Verhaltensbeobachtungen an Tieren auch mittels Bild- oder Tonaufzeichnungen durchführen.

Und dann wache ich auf und ich weiß: ne, da bin ich raus. Das tu ich weder mir noch meinen Kunden an.

Wie soll ich mir das vorstellen? Kommt das Vet-Amt zu mir in die Trainingsstunde und will von meinen Kundenhunden Blutproben nehmen? Und ich erkläre meinen Kunden, dass ich dem zustimme und sie auch noch die Taschen leeren, damit auch Futterproben genommen werden? Und danach müssen alle vor die Kamera und sich filmen lassen?

Und wenn Gefahr für die öffentliche Ordnung besteht, dann darf meine Wohnung gestürmt werden, um die Unterlagen von meinen Kunden einsehen zu können?

Da träum ich direkt wieder: ein Welpe aus meinem Kurs erleichtert sich auf offener Straße. Der Kot wird nicht aufgehoben. Die öffentliche Ordnung ist in Gefahr. Die GSG 9 stürmt mein Haus, aber die Unterlagen beweisen meine Unschuld, ich habe es genau dokumentiert, ich sage immer: heb die Scheiße auf. 🙂

Gerettet! 🙂 🙂

 

 

 

 

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