Ein Märchen vom Tierschutz

absurdistan

von Andrea Winkler

 

Es war einmal ein Ministerium, das wollte sich für den Tierschutz einsetzen und es guckte sich um, was es machen könnte und sein Blick fiel auf die Hundetrainer.

Auch die sollten tierschutzgerecht ausbilden. Und deshalb hat man ein Gesetz entworfen und gesagt: wir wollen ein Mindestmaß an Sachkunde erreichen.

Allerdings fiel der Blick nicht auf alle Hundetrainer. Die, die ehrenamtlich arbeiten in den Vereinen, die brauchen keinen Tierschutz oder die sind automatisch gut. Ich meine, wer hat schon jemals gehört, dass in einem deutschen Hundeverein aversiv gearbeitet wird?

Also, welche Hundetrainer kann man dann nehmen, denn schließlich sollen die Hunde geschützt werden. Also nimmt man die gewerblichen Trainer, die, die Steuern zahlen. Die doofen sozusagen, denn wir wissen ja, wer wirklich schlau ist, der zahlt keine Steuern. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

So gab es ein Tierschutzgesetz, § 11, 8 f und weil jedes gute Gesetz eine Durchführungsverordnung braucht, wurde die weggelassen. Fällt aus wegen ist nicht oder so. Man schreibt noch ein paar Zeilen, sagt, dass die Vet-Ämter ja entscheiden können, dass die den Einzelfall prüfen und sich Aus- und Weiterbildungen ansehen sollen und das es auch zählen sollte, wenn man jahrelang ohne Beanstandung gearbeitet hat und dann ist man das ganze los. Muss ja auch mal gut sein mit dem ganzen Tierschutz.

Nun liegt es bei den Veterinärämtern. Neben dem Hinweis, den Einzelfall zu prüfen, gibt es auch eine Liste, was man auf jeden Fall anerkennen kann.

Das ist ja nun so eine Sache, eine gültige Rechtsverordnung gibt es noch nicht, viele Ausbildungen haben ihre Gleichwertigkeit beantragt, aber das braucht Zeit – lange, lange Zeit. Überall ist noch nichts entschieden, man weiß nur: ab dem 01.08.14 gilt der Tierschutz! Wie auch immer irgendwie.

Und so entwickelt jedes Veterinäramt seine eigene Strategie. Es gibt die Ämter, die sagen, alles was vorher da war und nicht beanstandet wurde geht durch und so werden die Hundeschulen anerkannt. Dann gibt es Vet-Ämter, die prüfen verschiedene Ausbildungen und sagen, die ist gut und die nicht und entscheiden dann danach. Dann gibt es Vet-Ämter die sagen, wenn es noch gar nichts Verbindliches gibt und wir gar nicht wissen, wer noch gleichgestellt wird und wer nicht, da machen wir erstmal nichts. Wir entscheiden gar nichts und wenn wir was wissen, dann melden wir uns. Andere geben nur zeitlich befristete Anerkennungen.

Und was machen die Veterinärämter, wenn sie denken, die Sachkunde ist nicht da? Sie müssen sie prüfen – in einem Fachgespräch. Ich bin ja ein Naivling und so dachte ich, dass ein Fachgespräch sowas ist, wo man sich an einen Tisch setzt und miteinander redet und sich austauscht.

Nein, das ist es natürlich nicht. Ein Fachgespräch ist zunächst mal ein schriftlicher Test. Und danach folgt eine Sequenz von Videos, die analysiert werden müssen und dann kommt noch ein Training vor einer Prüfungskommission. Das ist also ein Fachgespräch.

Manche Veterinärämter sagen einem, was es kosten soll, andere sagen das nicht, die schreiben dann: die Gebühren richten sich nach dem Aufwand.

Ja, das ist uns natürlich allen genau so bekannt. Wer beantragt schon einen Personalausweis, bestellt das Aufgebot und weiß was es kosten wird? Das wird für jeden Bürger nach Aufwand berechnet. Einzelfallentscheidung – in diesem Fall klappt das.

So ein Fachgespräch ist ein richtiges Schnäppchen, da wo die Kosten verraten werden, kann man sich auf bis zu 1.000 € einstellen.

Und wer prüft einen dann?

Das wird auch nicht bekannt gegeben. So einen Test am Computer hochladen, das geht noch von den Mitarbeitern des Vet-Amtes, aber wie soll ein Amtsveterinär einen Hundetrainer begutachten? Da holt man sich dann Fachleute.

Da spricht mir also ein Amtsveterinär die Sachkunde ab und dann braucht er einen Fachmann, der ihm sagt, ob ich sachkundig bin.

Wenn es nicht um meine Existenz ginge, müsste ich ja schon fast lachen.

Und dann der schriftliche multipe choice Test. Da sind Fragen drin, die für Hundetrainer und vor allem für den Tierschutz (wir erinnern uns ganz vage: bei dem Gesetz ging es mal darum Tiere zu schützen, es ging nicht darum, ein Berufsbild des Hundetrainers festzulegen oder ähnliches) enorm wichtig. Zum Beispiel: Hat der Hund einen Blinddarm und wenn ja, mit oder ohne Appendix.

Ich arbeite ja schon länger als Trainerin und natürlich ist es so, dass diese Frage täglich aufkommt. Mein Telefon klingelt und niemand interessiert sich dafür, wie er seinem Hund „Sitz“ und „Platz“ und „Hier“ beibringt. Nein, alle fragen mich: bitte, hat mein Hund einen Blinddarm und wenn ja, was mache ich dann mit ihm und ist das ein Zeichen von Dominanz und machen sie den weg? Ja, der Alltag von Hundetrainern.

Und natürlich muss ich vor dem Test Sachbücher lesen. Die sind festgelegt. In einem habe ich gelernt, dass ich immer essen muss, bevor ich meinem Hund was zu Fressen gebe – sonst bin ich kein Rudelführer mehr. Habe ich gemacht. Nun habe ich mehr als einen Hund und einer ist noch sehr klein und braucht noch 4 Mahlzeiten am Tag und ich esse und esse und esse für die Rudelführerschaft. Ich habe schon 10 Kilo zugenommen, was etliches enorm erleichtert. So blockiere ich jede Tür und kein Hund kommt mehr auf die Idee sich an mir vorbei zu quetschen. Die Couch gehört auch mir – es passt niemand mehr drauf. Mein Ehemann auch nicht. Aber man muss Opfer bringen. Und gelernt ist gelernt!

Äh, ich fasse zusammen:

Es ging mal um Tierschutz, der ist auf dem Weg durch die Behörden irgendwie abhanden gekommen. Meiner Sachkunde geht es so, wie den sogenannten Kampfhunden, die wechselt je nach Bezirk. Wenn ich durch Deutschland fahre und die verschiedenen Bezirke der Veterinärämter passiere, dann bin ich mal sachkundig mal nicht, mal sachkundig, mal nicht. Mal hätte ich Bestandsschutz, mal nicht. Mal wird ein Einzelfall geprüft, mal nicht.

Übrigens, ich wurde schon mal nach § 11 Tierschutzgesetz geprüft und zwar nach Absatz 1 Nr. 3, 5 und 8a. Diese Prüfung habe ich bestanden. Zählt natürlich nicht. Denn wir wollen den Tierschutz nach 8 f. Und der ist ganz anders. Total. Da eröffnen sich quasi neue Welten. Für wen auch immer. Eine Ausbildung habe ich auch gemacht und Aus- und Weiterbildungen und ich arbeite auch schon länger ohne Beanstandungen.

Fazit: Hundetrainer sind einer nicht hinzunehmenden behördlichen Willkür ausgesetzt und Existenzen werden vernichtet. Der Tierschutz hat mit dem ganzen gar nichts mehr zu tun.

Deshalb klärt auf und wehrt euch! Und an die Hundehalter: unterstützt eure Hundeschulen und Trainer, die euch oft seit Jahren mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Hundetrainer brauchen eine Lobby – helft uns!

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