Die zwei Gesichter des Tierschutzgesetzes- oder etwa nicht?

absurdistan von Angela Knocks-Münchberg

Ich bin ja so froh, dass sich unsere Politiker endlich einer Verbesserung des Tierschutzgesetzes angenommen haben. Mittlerweile dürfte ja kaum noch einem unserer Leser die Novellierung des TSchG, explizit dem §11 Nr 8f, entgangen sein. Und obwohl ich so nicht zu den Reitern zähle, muss ich darauf leider wieder einmal rumreiten 🙂

Seit einiger Zeit sorgt bei Facebook ein Artikel für Aufruhr. Da sucht ein Mann ein Pferd um daran sexuelle Handlungen vorzunehmen, ein Skandal! Die Polizei ist machtlos, kann dagegen nichts tun, ein Skandal! Die Kommentare auf diesen Beitrag beziehen sich logischerweise auch auf diesen Skandal, mit Recht! Nur scheint niemandem bewusst zu sein, das sexuelle Handlung an und mit Tieren gemäß unseres deutschen Tierschutzgesetzes zwar verboten sind, jedoch keine Straftat darstellen. Und das sollte doch der tatsächliche Skandal sein, oder etwa nicht?

Da kann man ja nur von Glück sprechen, das unseren Politikern zumindest die tierschutzkonforme Erziehung der Hunde am Herzen liegt und nun die „bösen“ von den „guten“ Hundetrainern aussortiert werden. Im Klartext bedeutet das ja, ich darf ein Tier sexuell missbrauchen ohne dafür bestraft zu werden. Aber wehe ich lege dabei ein Sprühhalsband um und wende es an, dann verstoße ich gegen das Tierschutzgesetz. Ist doch logisch, oder etwa nicht?

Und weil dieses Thema ja immer noch so aktuell ist und nach wie vor einige darin ihre Chance sehen, den eigenen Kontostand zu verbessern, springen immer wieder „pfiffige Kollegen“ auf diesen Zug. Wer sich daran nicht bereichert ist ja selbst schuld, oder etwa nicht?

Und so kommt es, dass diese „pfiffige Kollegen“, anderen Hundetrainern ( die bisher den Zug verpasst haben – oder sich vielleicht einfach nur nicht an dem Irrsinn finanziell bereichern wollen) mit unaufgeforderten Werbemails „ attackiert“ werden. Manche sogar unter dem Deckmantel eines internationalen Tierfuttermittelherstellers. Im Übrigen werden, nach wie vor, bei diversen Futtermittelhersteller, vom Gesetz nicht vorgeschriebene, Tierversuche vorgenommen (siehe http://www.peta.de/tierversuchsfreietiernahrung#.VL-fykeG_ec). Aber das ist ja ein ganz anderes Thema, denn Tierversuche dürfen, unter bestimmten Voraussetzungen, per TSchG durchgeführt werden. Viel wichtiger ist doch, dass der Hundetrainer ausführlich darlegen kann, dass er in seinem Training Tierschutzkonform arbeitet, oder etwa nicht? Und noch besser ist es doch zu wissen, das sich bei besagtem Tierfuttermittelhersteller, der diese einjährige Ausbildung zwecks Professionalisierung für Hundetrainer unterstützt, ein „Kollege mit der Erlaubnis nach §11“ um die Tiere kümmert. Nicht auszudenken, wenn diese Hunde schlecht sozialisiert, zu wenig beschäftigt, zu wenig menschliche Fürsorge oder andere Mängel aufweisen würden. Schließlich kann man ja nur so die Bekömmlichkeit, Verdaulichkeit, Geschmacksrichtungen etc. an den Tieren in Erfahrung bringen, oder etwa nicht?

Und als ob das ganze nicht schon verstörend genug wäre, wurden wir erst kürzlich auf einen ganz anderen Aspekt des §11 für Hundetrainer aufmerksam gemacht. In dem Text wird der „tatsächliche Sinn“ des ganzen erläutert. Eigentlich ginge es nämlich darum, „die Gefährdung der Bevölkerung durch Hunde zu reduzieren“, also vor so genannten „gefährlichen Hunden“ zu schützen. Und da wir Hundetrainer ja maßgeblich an der Erziehung und Ausbildung von Hunden beteiligt sind, macht diese Schlussfolgerung ja auch Sinn, oder etwa nicht?

Na hoffentlich hat dann bald jeder Hundehalter einen Ausweis dabei, indem vermerkt wurde, welche Hundeschule er mit seinem aktuellen Hund besucht hat. Stellen Sie sich mal vor, da hat jemand einen “gefährlichen Hund“ und hat mit dem nie eine Hundeschule besucht oder einen Hundetrainer involviert, wen will man denn dann zur Rechenschaft ziehen? Doch wohl nicht den Hundehalter selbst? Das geht gar nicht! Denn immerhin müssen diverse Hundeschulen ein Bestandsbuch führen, damit, wenn ein Hund „auffällig“ wird, kontrolliert werden kann, wann und wie der Hundetrainer mit dem Tier gearbeitet hat. Diese Auflagen bei der Erlaubnis werden genau damit begründet, dass der Hundetrainer, welcher ja maßgeblich an der Ausbildung und Erziehung beteiligt war, unverzüglich ermittelt werden kann.

Da stellt sich mir nur die Frage, wie sollen wir Hundetrainer bloß eine lückenlose Überwachung jedes einzelnen Hundehalters bewerkstelligen, um auch jedes mal, sollte der Hundehalter sich einfallen lassen, etwas selbst in der Erziehung und Ausbildung seines Hundes zu übernehmen, eingreifen zu können? Lieber Hundehalter, Sie haben doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich Ihrer Wohnung, oder noch besser gleich Sie selbst, mit Videokamera zur Überwachung für Ihren Alltag mit Ihrem Hund ausstatte, oder etwa doch?

Ich bin ja so froh, dass sich die Politiker endlich dem Schutz der Tiere, insbesondere von uns „gefährlichen Hundetrainern“, angenommen haben….

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