Der Irrsinn geht auch heute weiter

absurdistan von Andrea Winkler

Gestern hatte ich euch ja versprochen, dass ich weiter berichte. Viele meiner Kollegen gehen ja zu den Prüfungen und zahlen oft noch horrende Summen für Vorbereitungskurse, andere haben ja das Glück, dass sie an ein Veterinäramt geraten, welches wirklich, wie eigentlich auch vorgesehen, den Einzelfall prüft und dann erhalten die Kollegen ihre Arbeitserlaubnis.

Dann ist die Freude natürlich groß. Gerade wenn man lange um seine Existenz gebangt hat, dann ist das eine Erlösung.

Aber dann kommt der ersehnte Bescheid, der ist locker mal 4-5 Seiten lang, der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Die Genehmigung, das ist der Satz irgendwo am Anfang und dann kommen die ganzen Einschränkungen und Auflagen.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen setze ich hier nur einen Teil der Auflagen rein, ihr könnt also weder sehen, welches Vet-Amt das war, noch welche Hundeschule betroffen ist. Mir selber liegen diese Angaben vor und ich kann euch auch versichern, dass das nicht das einzige Schreiben dieser Art ist.

Hier nun ein Überblick über die Auflagen (ich habe sehr gekürzt, weil sich wohl niemand 5 Seiten antut):

3. Die Erlaubnis ist befristet bis zum 01.11.2017. Bitte stellen Sie sechs Wochen vor

Ablauf dieser Frist einen Antrag auf Verlängerung der Erlaubnis.

Meine Anmerkung: diese Erlaubnis hat 280 € gekostet!!!!!! Und ist sie befristet und dann? Zahlt die Antragstellerin alle drei Jahre 280 €? Ich sehe ja vor meinem geistigen Auge wieder jemanden auf die Kasse springen, damit sie zu geht.

5. Es ist ein Tierbestandsbuch zu führen. In dieses ist Folgendes einzutragen:

a. Art, Rasse und Geschlecht des Wirbeltieres.

b. Kennzeichnung, z. B. Tätowier- und/oder Chipnummer.

c. Datum des Zugangs in den Bestand sowie Herkunft unter Angabe des Namens und der

Anschrift der abgebenden Person und

d. Datum des Abgangs aus dem Bestand sowie Verbleib unter Angabe des Namens und

der Anschrift der aufnehmenden Person.

e. Das Bestandsbuch muss gebunden und mit Seitenzahlen versehen sein. Als

Bestandsbuch können auch andere zuverlässig nachprüfbare systematische

Aufzeichnungen verwendet werden; in diesem Fall sind die Seiten mit fortlaufenden

Nummern zu versehen. Eintragungen sind am Tag der Aufnahme bzw. Abgabe der

Tiere und in dauerhafter Weise vorzunehmen. Das Bestandsbuch ist drei Jahre

aufzubewahren; die Frist beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem die

letzte Eintragung vorgenommen wurde. Das Bestandsbuch muss jederzeit auf

Verlangen vorgelegt werden können.

Ein Muster für ein Tierbestandsbuch ist als Anlage beigefügt.

Meine Anmerkung: ich weiß ja nicht, wie ihr das seht – aber ich hatte noch nie das Gefühl, als würden meine Kundenhunde in meinen Bestand übergehen?! Über Rückmeldungen freue ich mich. Vll. gibt es eine Erklärung?

Niedlich ist auch: Art, Rasse und Geschlecht. Als Hundeschule trainiere ich doch selten Katzen, Mäuse, Rinder, Kangurus. Aber man weiß ja nie.

b) Hunde dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie innerhalb von 4 Wochen vorher

entwurmt und erforderlichenfalls gegen Ektoparasiten behandelt wurden. Diese

Behandlungen sind durch schriftliche Aufzeichnungen nachzuweisen.

c) Hunde dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie gegen Staupe, Hepatitis,

Leptospirose, Parvovirose und Tollwut nach Anweisungen des behandelnden

Tierarztes schutzgeimpft sind.

Die Impfungen müssen im Impfpass dokumentiert sein.

Insofern in Einzelfällen bei einem Hund vor dem Besuch der Hundeschule kein oder

kein vollständiger Impfschutz aufgebaut werden kann, kann unter folgenden

Voraussetzungen auf die o. g. Schutzimpfung ganz oder teilweise verzichtet werden:

Die Ausnahme von der Impfauflage ist im Einzelfall durch ein maximal zwei Tage

(gerechnet vom Tag der Aufnahme in die Hundeschule) altes Attest eines Tierarztes

zu begründen. Dieses Attest muss auch die Gesundheit des Hundes bestätigen.

Es müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, die ein Übertragen von

Infektionskrankheiten verhindern (z. B. kein Kontakt mit nicht geimpften Hunden).

d) Hunde mit unbekanntem Gesundheitsstatus (z. B. beim Fehlen einer

Impfdokumentation) dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie zuvor tierärztlich

untersucht wurden und das Freisein von Infektionskrankheiten und Ektoparasiten

festgestellt wurde. Über die tierärztliche Untersuchung ist eine

Gesundheitsbescheinigung auszustellen.

Meine Anmerkung: ich bin sprachlos und falle rückwärts um.

Liebe Hundehalter, das wird lustig, überlegt bitte auch, was diese Auflagen für euch bedeuten. Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland – die wird dann durch die Hintertür auch noch eingeführt? Und ich soll überwachen, ob eure Hunde gegen Ektoparasiten geschützt sind??? Darf ich dann selber entscheiden, welche Medikamente darfür gegnommen werden sollen? Ja, und alle, die ihre Hunde mit nicht chemischen mitteln behandeln oder nicht jedes Jahr alles impfen lassen, die finden dann keine Hundeschule mehr. Denn wenn ich gegen Auflagen verstoße, dann machen die mir den Laden dicht.

Weiterer Text vom Vet-Amt:

Diese Erlaubnis kann jederzeit entschädigungslos widerrufen werden, wenn sich die rechtliche oder sachliche Lage ändert oder die Ihnen gemachten Auflagen nicht vollständig eingehalten werden.

Meine Anmerkung: natürlich ist es klar, dass ich nicht gegen die Auflagen verstoßen darf, aber was bedeutet es wohl, dass jederzeit entschädigungslos widerrufen werden darf, wenn sich die rechtliche Lage ändert?

Dann geht es nämlich auf Anfang!

Bis jetzt gibt es keine Rechtsverordnung, die tun nur alle so, falls es die dann aber doch mal gibt, dann ist jede Erlaubnis wieder weg und die Karten werden neu gemischt. Neue Prüfungen, mehr Geld, Existenz wieder bedroht – wir fangen wieder von vorne an.

Diesmal hacke ich die Zähne in den Tisch. Hallo ihr da draußen – ist das Kunst oder kann das weg???

Ich bin für weg

 

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