Anonym – Verden – Niedersachsen

 

Berufsverbot
Anonym – Verden – Niedersachsen

Update:

Zwischenzeitlich ist das Berufsverbot bis zur Hauptverhandlung wieder aufgehoben worden

Meine Geschichte:

Im Jahre 2005 entdeckte ich, nach bis dahin schon 20 Jahren der Hundehaltung, vor allem durch meinen eigenen damals recht „schwierigen“ Hund mein Faible dafür, genau diese Hunde zu trainieren die so Abseits des „normalen“ waren.

Hunde die nicht in ein Schema gepresst werden konnten und als nicht erziehbar galten, genau denen wollte ich helfen.
Ich begann mich über alternative Wege in der Hundeerziehung zu informieren, suchte nach neuen Wegen, abseits von Strafe und Kommunikation am Hund vorbei. Sehr schnell habe ich dann Möglichkeiten gefunden, entgegen der Meinung vieler, mit meinem Hund anders umzugehen als es im„Normalfall“ geraten wurde.

Ich entdeckte viele Möglichkeiten, die für mich neu waren und begann sie auch auf andere Hunde zu projizieren, was in allen Fällen dazu führte das sich die Hunde zum positiven verändert haben.

So wurde meine Idee geboren daraus einen Beruf zu machen.

Ich erkundigte mich im ganzen Land nach Möglichkeiten mich ausbilden zu lassen, telefonierte mit etlichenTrainern um im Vorfeld zu prüfen ob ich mit den jeweiligen Lerntheorien, denn die sind sehr vielfältig, konform gehen würde.

So geriet ich irgendwann an Gerhard Wiesmeth, den Ausbildungsleiter des Instituts „Hundewelten“.

Dort absolvierte ich zunächst mal ein kurzes Seminar, welches mich mit abschließendem Zertifikat zu einem„Problemhundeberater“ ernannte.

Aber ich wollte mehr wissen, wollte nicht an der Oberfläche dümpeln und war mir meiner Verantwortung, gerade im Hinblick auf die Arbeit mit problematischen Hunden absolut bewusst. So entschied ich mich auch noch die Ausbildung zum Problemhundetherapeuten und Gebrauchshundeausbilder mit abschließender Prüfung zu absolvieren.

Ganz besonders wichtig war für mich seinerzeit, das Hundewelten positiv und ohne Bestrafung für den Hund arbeitet und eines der wenigen, oder sogar das einzige,Ausbildungsinstitut war, dessen Ausbildungen staatlich gefördert wurden und deren Kosten in vielen Fällen von den Arbeitsämtern übernommen wurden.

In meinem Fall musste ich dieAusbildung zwar selber bezahlen, aber dennoch schien es mir ein sehr gutes Qualitätskriterium für diese Ausbildung zu sein, wenn sie sogar staatlich gefördert würde. Man muss sich einmal überlegen,auf der einen Seite werden die Ausbildungen dort von Behördenstaatlich gefördert weil Hundewelten einem „Schulstatus“gleichgestellt wird, während andere Behörden nun unterstellen das dort die nötige Sachkunde nicht vermittelt wird. Die Behörden gehen im übrigen davon aus, das eigentlich nirgendwo die nötige Sachkundevermittelt wird, ausgenommen bei der IHK und der Tierärztekammer.

So absolvierte ich also meine Ausbildungen und eröffnete danach meine mobile Hundeschule, nur für Hunde mit Fehl- und Problemverhalten. Seinerzeit war ich im Umkreis von fast 200 Kilometern die einzige mobile Hundeverhaltenstherapeutin, mobile Hundeschulen boomten dann allerdings schnell in der Folgezeit.

Die Jahre gingen ins Land, ich half etlichen Hundehaltern besser mit ihren Hunden zurecht zu kommen, ich habe zahlreiche Hunde vor dem einschläfern bewahrt die als nicht mehr therapierbar galten. Niemals habe ich einen Hund bestraft oder irgendwelche Starkzwangmittel in Anwendung gebracht, mein oberstes Gebot und auch der Leitsatz in der Ausbildung ist: ” Ein Hund der können soll, muss wollen dürfen”

Ich habe mich selber immer wieder hinterfragt, mit jedem Hund mein Wissen erweitert, bis ich vor einigen Jahren in der Lage war sogar eine Garantie für den Erfolg zu gewähren das meine Arbeit immer und bei jedem gesunden Hund funktionieren wird, natürlich unter der Voraussetzung das auch der Hundehalter meinen Empfehlungen nachkommt. So erarbeitete ich mir über die Jahre einen sehr guten Ruf und auch Tierärzte in der Gegend empfahlen mich ihren Kunden. Diese Garantie umfasst kostenlose Folgetrainings im Falle dessen, das etwas nicht so umgesetzt/verstanden werden konnte wie empfohlen und garantierte auch mir selbst den Erfolg meiner Kunden in ihrer Arbeit verfolgen zu können.

Im Jahr 2013 wurde ich dann auf die künftige Gesetzesänderung aufmerksam, der § 11,Absatz 1, Ziffer 8f wurde interessant für uns Hundetrainer. Ich informierte mich also pflichtbewusst bei meinem Verterinäramt nach dem weiteren Vorgehen und meiner Rolle dabei. Ich freute mich über diese Änderung des Gesetztes, gibt es doch in der Branche sehr viele schwarze Schäfchen, die oft nicht viel mehr über Hunde wussten als das sie 4 Beine hatten und zu kaum mehr in der Lage waren als diesen ein „Sitz“ oder „Platz“ beizubringen.

Mir wurde also gesagt das ich mir gar keine Sorgen machen müsste, bei meiner Qualifikation würde sich für mich ja gar nichts ändern und zu gegebener Zeit würde man sich mit mir in Verbindung setzen.

Dies geschah dann im Juli 2014, alle Hundetrainer mussten einen formlosen Antrag für die Genehmigung ihrer Hundeschule stellen, anbei ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister und auch eine eidesstattliche Erklärung darüber das keine tierschutzrelevanten Strafverfahren anhängig sind.

Ich reichte die geforderten Unterlagen fristgerecht ein und bekam dann in einem ersten Schreiben die Mitteilung des Veterinäramtes das meine Sachkunde nicht ausreichend wäre.

Ich fragte nach, wo meine Defizite liegen würden, worauf ich leider keine Antwort bekam.

Allerdings wurde mir mitgeteilt dass das Kriterium nach dem entschieden wurde auch nicht an meiner Ausbildung lag, sondern vielmehr daran lag, das ich meine Tätigkeit im Nebengewerbe und nicht hauptberuflich ausübte. Dieses Kriterium hat nun in meinem Landkreis dazu geführt, das alle Hundeschulen die ihr Gewerbe seit mind. 3 Jahren hauptberuflich angemeldet haben automatisch genehmigt wurden, vollkommen unabhängig davon ob sie eine Ausbildung absolviert haben oder nicht, auch wurden sie nicht anderweitig noch geprüft, weder durch den DOQ Test noch in einem Fachgespräch, können sich aber nun das „Gütesiegel“, nach §11, Absatz 1, Ziffer 8f genehmigt zu sein, auf die Fahne schreiben ohne die Sachkunde nachgewiesen zu haben, oder besser: die nötige Sachkunde wird hier allein dadurch angenommen, das ein Hundetrainer seit mind. 3 Jahren hauptberuflich tätig ist.

Ich übe meine Tätigkeit deshalb im Nebengewerbe aus, weil ich ausschließlich in der Problemtherapie tätig bin und somit nur einen ganz kleinen Bereich in der Arbeit mit Hunden abdecke, von dem man hauptberuflich nicht überleben könnte. Im Vergleich zu anderen Hundeschulen die allein am Wochenende oft 30 Hundehalter und mehr auf ihrem Platz unterrichten.

Zudem bin ich gesundheitlich gehandicapt, so das ich seit vielen Jahren in Frühpension bin und somit überhaupt keinen Beruf mehr hauptberuflich ausüben kann, was ich meinem zuständigen Veterinäramt auch mitgeteilt habe, aber für die Sachbearbeiter dort keine Relevanz hat.

Ich selbst, mit meinen durchaus fundierten Ausbildungen, könne allerdings meine Sachkunde gerne in einem „DOQ Test pro“ nachweisen, allerdings müsste ich dann schauen wo ich das machen kann, im zuständigen Amt könne dieserTest nicht angeboten werden.

Der „DOQ Test pro“ ist sehr umstritten und es wurde öffentlich von namhaften Hundetrainern und auch Anwälten davon abgeraten einen das Berufsbild einschränkendenTest zu machen, der zudem auch teilweise fachlich falsch ist, man ihn also folglich nur dann bestehen kann, wenn man genau das lernt was die hören/lesen wollen. Erschwerend kommt hinzu, das es keinerlei Möglichkeiten gibt sich im Vorfeld auf diesen Test vorzubereiten. Auch gibt es weder eine Rechts- noch Durchführungsverordnung die ein solches Abverlangen legitimieren würde.

Dazu war ich nicht bereit und lehnte diese Vorgehensweise ab. Alternativ bot ich aber an, um mein Entgegenkommen zu signalisieren, ein Fachgespräch zu führen, aber obwohl das von den Ministerien vorgegeben ist, war auch dieses in dem für mich zuständigen Veterinäramt nicht möglich, da man dafür nicht ausreichend qualifiziert sei.

Es mutet schon etwas eigenartig an, das die Mitarbeiter dort nicht ausreichend qualifiziert sind ein Fachgespräch über Hunde (man bedenke das dies keine exotischeTierart ist) zu führen, aber dennoch über meine berufliche Qualifikation urteilen dürfen.

Ebenso wollte man mir dort schriftlich nicht bestätigen das dieses Fachgespräch dann auch als Sachkundenachweis anerkannt wird und dann sicher zu einer Genehmigung der Ausübung meiner Tätigkeit führen wird, sofern ich eine Möglichkeit fände mir dieses eigenständig zu organisieren. Hierzu wurde mir eine 5-tägige Frist gesetzt, mit der Androhung das im Falle dessen, das ich es nicht machen würde umgehend ein Berufsverbot ausgesprochen wird. Man würde es dann am Freitag Nachmittag in die Post geben, sollte ich mich nicht verbindlich angemeldet haben.

Unter dem Druck dieser ausgeprochenen Drohung versuchte ich allerdings trotzdem mir ein solches Gespräch zu organisieren, was aber in Niedersachsen innerhalb dieser kurzen Frist, die zudem noch in den Sommerferien lag, nicht gelang. Das Telefonat fand an einem Montag Nachmittag, gegen 16.00 Uhr, statt und bis zum Freitag sollte ich meine schriftliche Anmeldung vorlegen.

Dann hörte ich in dieser Woche von einer Kollegin von einem kurzen Kurs des Instituts Heidrich in Potsdam, eine vor allem kostengünstige Alternative um die geforderte Sachkunde zu erbringen.(Der „DOQ Test pro“ kostet immerhin mit Fachgepräch rund 1000,- Euro) Auch hier wollte ich mir natürlich schriftlich bestätigen lassen, das dieser kurze Lehrgang (Kosten:380,- Euro) dann als Sachkunde anerkannt werden würde.

Aber auch hier wurde mir schriftlich lediglich mitgeteilt das ein anderer„Lehrgang“ der IHK anerkannt werden würde. Zu dem von mir angefragtem Kurs, bekam ich keinerlei Antwort von meinem Veterinäramt.

Ich informierte mich also dann wohlwollend über den Vorschlag meines Amtes und stellte fest, das es sich hierbei um eine 3jährige komplette Ausbildung zum “Zertifizierten Hundeerzieher/in und Verhaltensberater/in der IHK” handelt, die für Berufsanfänger gedacht ist und immerhin 3.700,- Euro kosten sollte. Ich habe aber bereits für meine Ausbildung seinerzeit 4.500,- Euro ausgegeben.

Diesen „Lehrgang“ lehnte ich dann ab, weil ich nach 9 Jahren Berufserfahrung und Umgang mit ausschließlich auffälligen Hunden nicht noch einmal eine Ausbildung machen möchte, geschweige denn dermaßen viel Geld investieren kann. Ich lebe alleine mit meinem Kind und ich bin weit entfernt davon reich zu sein.

Heute habe ich den Bescheid über die Untersagung meiner selbstständigen Tätigkeit in meiner eigenen Hundeschule erhalten, alles Weitere klären jetzt die Gerichte.

 



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