Anonym – Offenbach – Hessen

 

Genehmigt
Anonym – Offenbach – Hessen

 

Ich möchte nun auch gerne mal von meinen Erfahrungen im Rahmen des § 11 berichten.

Ich erfuhr mehr zufällig von der neuen Gesetzgebung im Frühjahr 2014 und kontaktierte daraufhin das für mich zuständige Veterinäramt. Dort gab man mir telefonisch zu verstehen, dass man selbst noch nicht viel dazu sagen könne, bisher keine Informationen zur Verfahrensweise hätte und ich einen formlosen, schriftlichen Antrag inklusive Gewerbeanmeldung und Ausbildungen etc. einreichen solle. Man würde sich dann zu gegebenem Zeitpunkt bei mir melden.
Ende Juli hatte ich immer noch keine Antwort und kontaktierte das Veterinäramt erneut, da ich nun doch etwas unsicher wurde, ob ich mich ab dem 1. August 2014 nun schon in Gefahr begab, wenn ich meine Hundeschule so weiterführen würde wie bisher.
Wiederum war die Auskunft “Nichts Genaues weiß man nicht” und man würde sich bei mir melden, sobald alle Anträge geprüft worden wären. Man habe aber die Anweisung “von oben” zunächst eine gewisse Toleranz walten zu lassen. Ich könne zunächst meiner Tätigkeit wie bisher nachgehen, ABER man weise mich daraufhin, dass ich ohne Genehmigung nach der aktuellen Gesetzgebung EIGENTLICH mindestens eine Ordnungswidrigkeit begehen würde.
Nun gut. Ich übte mich in Verdrängung, arbeitete wie bisher weiter, hoffte im Falle des Falles auf Toleranz und wartete bis Anfang Dezember 2014. Wie meinen Kollegen, erschwerte das die Planung für zukünftige Kurse und Angebote ebenso, wie das Beschäftigen einer Aushilfe. Alles war (und Einiges ist immer noch) unklar.
Ein Schreiben des Veterinäramtes, endlich. Man weise mich daraufhin, dass ich keine Genehmigung nach §11 habe, eine Ordnungswidrigkeit begehe, und ich mich um eine entsprechende Zertifizierung durch die Tierärztekammern bemühen solle oder die Möglichkeit habe, mich im Rahmen eines “Fachgespräches” auf meine Sachkundigkeit beim Veterinäramt direkt prüfen zu lassen. Genaue Kosten könne man mir nicht nennen, da diese neben allegmeiner Richtlinien auch vom Verwaltungsaufwand, Raummieten der Prüfung, Anfahrt der Gutachter etc. abhingen.

Ok, dachte ich, wer von sich behauptet, kompetent und seriös zu arbeiten, der darf sich nun auch nicht drücken. Vom Kostenfaktor einmal abgesehen, sind regelmäßige Prüfungen in fast allen beratenden Berufen keine Neuigkeit mehr.
Zwei Wochen später fand der, für dieses Veterinäramt, erste Durchlauf der theoretischen Prüfung, dem DOQTestPro statt, an dem auch ich teilnahm.

Vorbereitet habe ich mich nicht besonders, da die Vielfältigkeit des mehrere hundert Fragen umfassenden Fragenpools, aus welchem 40 (50?) Fragen zufällig ausgewählt werden, so groß ist, dass ich ein panisches “noch schnell Fachwissen Aneignen” für nicht sinnvoll erachtete und mein bis dahin, über mehrere Jahre Erfahrung und verschiedene Aus- und Weiterbildungen, erlangtes Fachwissen bisher schließlich auch als ausreichend empfand. Jetzt wollte ich es wissen :-)

Der DOQTestpro bestand aus single choice Fragen verschiedener Themengebiete, unterschiedlich gewichtet und die Zeit war mehr als ausreichend, um über jede Frage mehrere Minuten nachdenken zu können. Nach ca. 30 Minuten hatte ich Alles beantwortet und noch einmal durchgelesen.
Sicher, einige Fragestellungen waren etwas verwirrend und die Antworten manchmal ergänzungwürdig. Dennoch gilt der Test bereits mit 75 % als bestanden. Man kann sich also im Einzelfall durchaus eine andere Meinung, einen Blackout oder auch schlichtes Nichtwissen erlauben und dennoch durchkommen. Den Ablauf empfand ich als äußerst fair, freundlich und nachvollziehbar.

Einziger fader Nachgeschmack war hier, wie auch bei der späteren praktischen Prüfung, dass man direkt nach den Prüfungen keinerlei schriftliche Bestätigung bekommt….es KÖNNTE also passieren, dass man gesagt bekommt “bestanden”, dann aber einen gegenteiligen Bescheid erhält und keinerlei Handhabe über das Prüfungsergebnis, Beweis oder Ähnliches hat. Die Prüfungsfragen dürfen weder abgeschrieben noch ausgedruckt o.Ä. werden und auch die praktische Prüfung wird meines Wissens nicht protokolliert. Jedenfalls erhält man keine Aufzeichnung dazu.

4 Wochen später stand nach unbürokratischer und möglichst kostengünstiger Terminplanung (hier war das Veterinäramt wirklich sehr bemüht, den Ablauf für die Trainer möglichst effizient und passend zu gestalten) die praktische Prüfung vor einer Gutachterin und einer Tierärztin an.
Der Trainer selbst sollte 3-4 seiner eigenen Kunden mitbringen (das war lustig, denn welcher “normale” Dienstleister “bittet” denn seine Kunden, sich einen halben Tag Urlaub zu nehmen, damit dieser sich zertifizieren lassen kann, um überhaupt weiter seine Dienstleistung anbieten zu können,…usw…) und exemplarisch eine Gruppenstunde egal welchen Inhaltes vorbereiten. Andererseits kann man so natürlich auch entsprechend der Gruppenstunde geeignete Hund-Mensch-Paare auswählen und so den Verlauf der praktischen Prüfung schon im Vorfeld positiv beeinflussen und steht nicht vor, ihm völlig fremden, unterschiedlichen Hund-Mensch-Paaren.
Man sagte mir vorher, dass man mir Zwischenfragen und Aufgaben stellen würde, welche ich dann an die Teilnehmer gerichtet erklären solle. Vorher wurde noch abgeklärt, welche Themen ich im Rahmen der Gruppen- und Einzeltrainings anbiete, um diesbezüglich die praktischen und mündlichen Prüfungsinhalte zu gestalten. Es wurde also, neben dem Grundwissen, an spezielleren Themen und Methoden nur das abgefragt, was man auch in seinem Portfolio anbietet.

Etwas absurd wurde es dann, als es um die Örtlichkeit der praktischen Prüfung ging. Einerseits toll, dass Alles so unbürokratisch und fair gestaltet wurde, andererseits würde eine Gruppenstunde irgendwo auf einem Parkplatz mit Straßenverkehr etc. mich vermutlich schon als seriösen Trainer alleine dehalb disqualifizieren, weil ich potenzielle Gefahrenzonen völlig außer Acht lasse und so eine Örtlichkeit, außer vielleicht für einen Stadt-Kurs völlig ungeeignet ist. Im Rahmen der Prüfung, wurde die praktische Gruppenstunde auf dem einer kleinen Grünfläche auf dem Gelände des Veterinäramtes abgehalten. Mein eigenes Trainingsgelände wurde bisher nicht überprüft, was wohl auch nicht geplant ist.

Im praktischen Teil begann ich mit einem einfachen Grundgehorsams-Thema und wurde dann mehrfach aufgefordert, Übungen völlig anderer Themengebiete, wie beispielsweise Anti-Jagd-Kursen, durchzuführen. Das setzte mich zwar etwas unter Stress, war aber machbar und Improvisation gehört im Arbeitsalltag ja auch dazu.
Nach ca. einer Stunde verabschiedete ich meine Kunden und es ging zum Fachgespräch, der mündlichen Prüfung, wenn man so will.
Unangenehm, vor 3 Veterinären zu sitzen und sehr ergebnisoffen gestellte Fragen zu beantworten.
Teilweise wurde Bezug auf den praktischen Teil genommen, teilweise wurden typische Fallstricke theoretischen Wissens abgefragt, welche man in seinem Arbeitsalltag eigentlich täglich anwendet, aber die Definitionen als solche dann doch nicht so locker rezitieren kann.
Inhaltlich waren die Fragen fair und man darf von jedem Hundetrainer erwarten, dass er diese beantworten kann, oder zumindestens überhaupt etwas dazu sagen kann und auch die wichtigsten Fachbegriffe kennt. Jedenfalls habe ich das so empfunden.
Am schwierigsten war es eigentlich, anhand der sehr pauschal gestellten Fragen möglichst schnell herauszufinden, worauf diese abzielte und zwischen den verschiedenen Themen hin und her zu springen. Nach 90 Minuten war auch diese Hürde genommen und obwohl ich auch den ein oder anderen “Verhaspler” hatte, glücklicherweise Alles bestanden.

Zu kritisieren wäre sicher, dass besonders mündliche Fachgespräche immer einem gewissen persönlichen Eindruck unterliegen und sicher auch bei der Auswahl der Fragen mal Glück oder Pech dabei ist. Ich vermute aber, dass in dieser Richtung sicher langfristig beweiskräftiger dokumentiert werden wird, um entsprechend nachweisen zu können, weshalb ein Prüfling durchgefallen ist und besser vergleichen zu können.

Nun warte ich auf meine schriftliche Bestätigung und die “Rechnung”.

Alles in allem empfand ich den Ablauf neben kleinerer, behördentypischer Wartezeiten und “Irritationen” in meinem Fall als fair und inhaltlich durchaus angemessen. Auch, weil es möglich ist, eine fachlich andere Meinung zu haben oder etwas nicht hundertprozentig zu wissen und dennoch nicht sofort durchgefallen ist. Besonders in der mündlichen Prüfung wurde bei Unklarheiten oder Verwirrung meinerseits von der Gutachterin nachgebohrt, bis man feststellen konnte, ob ich das wirklich nicht weiß oder ob die Frage falsch verstanden wurde. Dennoch, 90 Minuten können seeeehr lang sein und man fühlt sich schon ein bisschen wie in einem “freundlichen Kreuzverhör” ;-)

Natürlich habe ich mich auch über die Durchführung des Gesetzgebers und die beträchtlichen Kosten geärgert. Auch, dass ich in den letzten Jahren ca. 8000€ Ausbildungskosten zu stemmen hatte, welche in meinem Fall nicht anerkannt wurden.
Andererseits sind wir Hundetrainer sehr verwöhnt, was die Prüfung durch den Gesetzgeber angeht, die es bisher quasi nicht gab. Andere Berater und Dienstleister, grade im Bereich der Aus- und Weiterbildung müssen schon seit Jahren pflichtmäßig eine gewisse Anzahl jährlicher Weiterbildungsstunden nachweisen und betriebliche Prüfungen über sich ergehen lassen und diese ebenfalls bezahlen.

Ich drücke allen Kollegen und Kolleginnen, die das ganze Prozedere noch vor sich haben, die Daumen für eine faire Prüfung und danach viele tolle Hunde-Mensch-Teams, so dass die Kosten der Prüfung schnell gedeckt werden können :-) <<

1 Antwort
  1. Andrea Winkler
    Andrea Winkler says:

    Der folgende Bericht erläutert sehr gut, was wir an den Prüfungen beanstanden und weshalb wir die Umsetzungspraxis ablehnen.

    Das Amt teilt mit, dass der Trainer eigentlich eine Ordnungswidrigkeit begeht, wenn er nach dem 01.08.2014 weiterarbeitet, ohne eine Erlaubnis vom zuständigen Veterinäramt zu haben. Nun, das gleiche Veterinäramt sieht sich aber nicht in der Lage, eine Entscheidung bis zum 01.08.2014 zu fällen? Warum? Das ganze wurde ja bereits ein Jahr früher beschlossen und es gab eine einjährige Übergangsfrist, damit die Ämter Zeit haben, Anträge abzuarbeiten und zu prüfen und um Hundetrainern, die nicht das Mindestmaß an Sachkunde haben, die Zeit geben, diese noch zu erwerben.
    Warum kann ein Amt, dem seit Monaten ein Genehmigungsantrag vorliegt und keine Entscheidung trifft, dem Trainer erklären, dass er damit eigentlich eine Ordnungswidrigkeit begeht?

    Und dann der Punkt, der unklaren Kosten. Normalerweise weiß man vorher, was eine Prüfung kosten wird oder hat man euch bei der Führerscheinprüfung mitgeteilt, man würde hinterher mal gucken, was das kostet?

    Danach lädt das Amt zum Fachgespräch und da komme ich dann wieder ins Grübeln, denn wo gibt es wohl sonst ein Fachgespräch, das aus einem schriftlichen Test, einer praktischen Prüfung und dann noch aus einem echten Gespräch besteht? Diese Art der Prüfung geht wohl weit über ein Gespräch hinaus und jeden Prüfungsteil zahlt man extra.

    Die Trainerin schreibt, dass es auch in anderen Berufen üblich ist, dass man geprüft wird. Ja, das ist es, aber es gibt keinen Beruf des Hundetrainers. Da wären die Verbände gefragt, dem Hundetrainer ein Berufsbild zu geben. Und wenn man einen Beruf erlernt, dann ist es gemeinhin so, dass es eine Prüfungsordnung gibt, die Aufbewahrungsfristen der prüfungsrelevanten Unterlagen sind geregelt (unser Geschreibsel aus dem Abitur wird 10 Jahr lang aufbewahrt und darf eingesehen werden, der d.o.q-test meines Wissens nur 8 Monate und der darf auch vom Prüfling nicht eingesehen werden – sehr seltsam) und dann ist es so, dass man während einer Ausbildung oder eines Studiums viele Prüfungen schreibt und sich langsam dem geforderten Ausbildungsziel nähert. Dabei darf man anhand von alten Klausuren und Fragen lernen und so überprüfen, ob der eigenen Wissenstand reicht. Ich selber habe z.B. alle alten Prüfungen meines erlernten Berufes bekommen und konnte anhand der alten Fragestellungen lernen. Auch aus dem Studium kenne ich das nicht anders.
    Bei Hundetrainern ist das anders. Da ist alles ein Geheimnis. Man weiß nicht, welche Themen dran kommen können und der d.o.q. test ist ja eh eine geheime Verschlusssache. Warum?

    Den Rest beschreibt die Trainerin ja sehr gut. Man erhält nichts schriftlich, es wird kein Protokoll geführt, was passiert, wenn man im Nachhinein eine Prüfung anfechten möchte und es gibt nicht eine Aufzeichnung dazu? Wie soll dann was bewiesen werden?
    Und eine bestandene Prüfung sagt auch nichts darüber, wie lange man hinterher eine Genehmigung bekommt. Viele Trainer erhalten auch nach der erfolgreichen und sehr teuren Prüfung nur eine befristete Erlaubnis von 3 Jahren. Warum? Weiß ich nicht. Also muss man drei Jahre später wieder um eine Erlaubnis bitten.
    Auch die Auflagen werden meist vorher nicht angekündigt. Der Bescheid bleibt also ein Überraschungspaket: wie lange, welche Auflagen und wie teuer? Man weiß es nicht. Auch das unterscheidet dieses Vorgehen wohl von allen anderen Berufsgruppen (wenn es denn einen Beruf Hundetrainer gäbe).

    Zur praktischen Prüfung kommt dann der Amtstierarzt und ein Gutachter. Warum? Der Amtstierarzt darf Hundehaltung überprüfen, wenn sie melden, dass ein Hund gefährdet ist, dann wird sich der Amtstierarzt darum kümmern und überprüft, ob die Tierschutzgesetze eingehalten werden. Ebenso kann er Wesenstest bei Hunden abnehmen und z.B. eine Leinen- und Maulkorbbefreiung anordnen. Und der gleiche Amtstierarzt kann nicht prüfen, ob ein Hundetrainer ein Mindestmaß an Sachkunde hat und ob er tierschutzgerecht arbeitet?
    Wie macht er das dann in seiner täglichen Arbeit?
    Und die Mensch-Hunde-Teams soll der Trainer direkt mitbringen. Auch das halte ich für ein sehr ungewöhnliches Vorgehen bei einer amtlichen Prüfung. Ich frage mich auch, wer haftet, wenn bei einer Prüfung was passiert. Wurde das vorher abgeklärt mit dem Trainer? Und auch mit den Mensch-Hund-Teams?

    Danach erfolgt ein 90 minütiges Fachgespräch. Dazu muss man bedenken, dass die Trainerin da ihr Mindestmaß!!! an Sachkunde bereits in einem schriftlichen Test bewiesen hat und auch noch in einer praktischen Prüfung. Mal ganz davon abgesehen, dass bei Aus-und Weiterbildungen in Höhe von 8000 € doch irgendwas dabei gewesen sein muss, von dem man ausgehen könnte, dass sie dadurch ein Mindestmaß an Sachkunde hat. Und danach braucht man noch 90 Minuten und drei Veterinäre um zu sehen, dass wirklich ein gefordertes Mindestmaß da ist. Aha.

    Mal ganz davon abgesehen, dass man dann die Kosten für weitere Prüfer zahlen muss und je länger die Prüfungen dauern, desto mehr an Stundenlöhnen für die Gutachter fallen auch an. Es wird dadurch immer teurer.

    Und wenn man das dann hat, was hat man dann? Eine Erlaubnis, von der man nicht weiß, wie sie aussehen wird und auch nicht die Vorteile einer Zertifizierung. Man gilt danach nicht als zertifizierter Trainer. Man hat lediglich in einem Fachgespräch sein Mindestmaß an Sachkunde dargelegt.
    Und ein anderer Trainer, der vll. 20 km weiter wohnt und die gleiche Ausbildung hat, der hat vll. ein Veterinäramt, der sich an die Vorgaben hält, den Einzelfall prüft und entscheidet, dass der Trainer für 50,00 € eine unbefristete Erlaubnis ohne nennenswerte Auflagen erhält.
    Und nun?

    NIchts desto trotz gratuliere ich meiner Kollegin zur bestandenen Prüfung und wünsche ihr eine unbefriste Erlaubnis, ohne nennenswerte Auflagen und eine niedrige Rechnung. Sie hat es mit Sicherheit verdient.
    ·

 


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