Anonym – Bad Dürkheim – Rheinland Pfalz

 

Prüfung-verweigert
Anonym – Bad Dürkheim – Rheinland Pfalz

 

Erfahrungsbericht einer Hundeschule aus Rheinland Pfalz

Die Gesetzesänderung im Tierschutzgesetz im Juli 2013, gültig ab 01.08.2014 nahm ich mit Freuden auf, denn dort heißt es: „Hundeschulen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbildung von Hunden und geben Kenntnisse an Hundehalter weiter. Mit dieser Regelung soll erreicht werden, dass alle gewerbsmäßig betriebenen Hundeschulen der Erlaubnispflicht unterliegen, um insbesondere ein Mindestmaß an Sachkunde der Ausbilder und Schulungsleiter sicherzustellen“.

Am 03.03.2014 habe ich Kontakt mit meinem zuständigen Amtsveterinär aufgenommen und um Unterlagen gebeten, was ich denn ab 01.08.14 alles zu erfüllen hätte und wie es weitergehen soll. Umgehend erhielt ich per Mail einen Antrag, den ich ausfüllen sollte und der Hinweis, dass ich Unterlagen beifügen soll, die meine Sachkunde bestätigen.

Also füllte ich den Antrag aus, erstellte einen kynologischen Lebenslauf, eine Tätigkeitsbeschreibung und eine Liste meiner besuchten Vorträge, Seminare, Workshops – also meinen Weiterbildungen. Eine Ausbildung zur Hundetrainerin habe ich nicht gemacht, meine Hundeschule habe ich im Jahre 1992 angemeldet; davor habe ich ehrenamtlich im Tierheim als auch auf einem Vereins-Hundeplatz mitgearbeitet.

Ende Mai schickte ich dann alles per Post an das Veterinäramt, Anfang Juni dann zusätzlich noch einmal per Mail. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass ich das geforderte Mindestmaß an Sachkunde besitze, nach über 22 Jahren Hundeschule und sehr vielen besuchten Seminaren.

Am 03.07.14 erhielt ich dann ein Schreiben meines VetAmtes, dass ich zwar sehr engagiert sei und auch um Weiterbildung bemüht, dennoch konnte keines meiner Seminare meine Sachkunde belegen. Natürlich muss ein Amtsveterinär nicht jeden Referenten, Dozenten oder andere kynologische Fachleute kennen, aber man könnte sich ja mal bemühen und ins Internet schauen; andere KollegInnen werden ähnliche Seminare besucht haben. Vorträge und Seminare bei Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Dr. Ute Blaschke-Berthold, Dr. Martin Pietralla, Dr. Hellmuth Wachtel, Dr. Erik Zimen, Prof. Raymond Coppinger, Dr. Udo Gansloßer, Dr. Erich Klinghammer, Prof. Dr. Klaus Loeffler, Prof. Dr. Heinz Mehlhorn, Dr. Christiane Quandt bzw. Wergowski, Dr. Frank Wörner, um nur ein paar wenige zu nennen, reichen also nicht aus, das geforderte Mindestmaß an Sachkunde zu bestätigen.

Ich fragte per Mail nach, wie ich denn meine Sachkunde noch bestätigen könnte, außer der bereits vorgeschlagenen Prüfung/Zertifizierung bei der IHK Potsdam oder den beiden Tierärztekammern Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Wenige Tage nach meiner Anfrage erhielt ich dann auch prompt eine Mailantwort, dass man ab August 2014 eine anerkannte Zertifizierung auch bei der Landestierärztekammer Rheinland Pfalz ablegen könnte, die Kosten würden sich auf ca. 900,00 € belaufen, näheres könnte ich dann direkt auf der Homepage der LTK RLP nachlesen.

Außer dieser Zertifizierung ist noch der Nachweis meiner gewerblichen Tätigkeit zu erbringen, ein polizeiliches Führungszeugnis sowie einer Berufshaftpflichtversicherung. Auf wiederholte Nachfrage per Mail, ob es nicht noch einen anderen Weg des Nachweises meiner Sachkunde gäbe, dem Hinweis, dass Veterinärämter anderer Bundesländer selbst prüfen und die Kosten dadurch niedriger sind, erhielt ich eine für mich doch spannende Antwort. Daraus geht nämlich hervor, dass (Zitat): „…richtig ist, dass die Sachkunde gegenüber dem Kreis-Veterinäramt nachgewiesen werden muss. Einen Sachkundenachweise (mit dem die Sachkunde nachgewiesen werden kann) können sie hier jedoch nicht erwerben.“

Außerdem erfuhr ich, dass (Zitat): „Bei dem von ihnen erwähnten Fachgespräch handelt es sich nicht um eine Prüfung. Nach Einreichen des Antrages mit den geforderten Unterlagen, entscheidet das Veterinäramt einzelfallbezogen, ob auf ein Fachgespräch, das Zeit beansprucht und damit auch Kosten verursacht, verzichtet werden kann. Kein Veterinäramt nimmt bezüglich einer Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr.8 f TierSchG eine Prüfung ab.“

Kein Veterinäramt nimmt eine Prüfung ab? Interessant. Der weitere Mailverkehr verlief nicht zu meiner Zufriedenheit. In einem darauf folgenden Telefonat, wurde ich mehrfach darauf hingewiesen, dass mein zuständiger Amtsveterinär lediglich die Exekutive sei und sich an die Vorgaben Legislative zu halten hat und diese schreibt diese Zertifizierung vor. All diejenigen KollegInnen, die bereits bei ihrem VetAmt eine „Prüfung“ (in der Regel den Doqs-Test pro) abgelegt haben, müssten zu einer erneuten Prüfung, denn bundesweit gilt nur das, was vor einer öffentlich-rechtlichen Kammer (Tierärztekammer oder IHK) abgelegt wurde. Ich fühlte mich mehr als unverstanden und mein Gefühl sagte mir, dass sich das so einfach nicht richtig anfühlt.

Bei meinen Recherchen wurde ich fündig und stellte fest, dass ich nicht alleine war mit dem Gefühl, dass hier etwas falsch läuft. Also schrieb ich am 19.07.14 meinem Amtsveterinär noch einmal eine sehr ausführliche Mail und nahm Bezug (mit Verlinkungen) auf bereits veröffentlichte Schreiben, welche die Durchführung des Gesetzes bemängelten sowie auf die bestehende Verwaltungsvorschrift aus dem Jahre 2000 (eine neuere gibt es ja nicht). Eine Antwort folgte prompt, mit dem Inhalt, dass man meine Angaben überprüfen würde und ich doch bitte Verständnis haben soll.

Parallel dazu habe ich in meiner Verzweiflung das Landesministerium Rheinland Pfalz angeschrieben und um Hilfe gebeten. Ich erhielt eine Antwort, aus welcher klar und deutlich hervorgeht (Zitat): „Eine Verpflichtung eines Antragstellers durch die zuständige Behörde zur Ablegung einer Prüfung bei einem Dritten, wie z.B. der Landestierärztekammer, ist nicht möglich!“ Außerdem wurde mir geraten, dass ich mein VetAmt um ein Fachgespräch zur Feststellung meiner erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten bitten soll. Alle Veterinärämter in Rheinland Pfalz wurden zum gleichen Zeitpunkt per Rundschreiben genau darüber informiert: sie müssen selbst prüfen, sie dürfen nicht auslagern.

KollegInnen aus dem benachbarten Kreis, aber auch aus dem eigenen Kreis haben mir nun mitgeteilt, dass die Veterinärämter mittlerweile Bescheid wissen, dass sie selbst prüfen müssen, aber sie sehen sich dazu nicht wirklich in der Lage und teilten im Vorfeld schon mit, dass eine Prüfung bei ihnen selbst teurer werden wird, als eine Zertifizierung vor der LTK oder IHK. Daraufhin schrieb ich erneut das Landesministerium an und fragte, nach welcher Rechtsgrundlage ein Veterinäramt so seine eigenen Preise machen kann und ob es für die Durchführung dieses Gesetzes denn keine Gebührenverordnung gibt, die ja ein wichtiger Bestandteil ist. Seither habe ich weder von meinem Veterinäramt, noch vom Landesministerium etwas gehört.

Dennoch habe ich ein 2-Tages-Vorbereitungsseminar für die Zertifizierung der Landestierärztekammer Rheinland Pfalz besucht und so bekam ich einen ersten Eindruck, was denn so erwartet wird von einem HundetrainerIn. Es ist ganz sicherlich möglich, eine solche Prüfung zu bestehen, in der Theorie als auch in der Praxis. Aber mit einem Mindestmaß an Sachkunde hat sie ganz und gar nichts mehr zu tun. Die theoretischen Fragen sind sehr medizinisch und zwar so tiefgründig, dass ein HundetrainerIn damit nicht wirklich konfrontiert wird – dafür gibt es Tierärzte (die ja die Prüfungsfragen auch erarbeitet haben). Auch die Fragen bzgl. dem Training als solches, den Lernformen, der Ethologie…, alles lernbar, aber auch alles nicht mit den Forderungen des Bundesministeriums übereinstimmend, sondern deutlich überzogen.

Auch der praktische Bereich der Prüfung ist nicht ohne und TrainerInnen mit einer Zertifizierung sollten sich von solchen ohne diesen Abschluss eben auch unterscheiden. Genau darin liegt ja wohl auch der Sinn einer Zertifizierung. Derzeit wird es aber darauf ausgelegt, dass eine solche Zertifizierung das Mindestmaß an Sachkunde bestätigen soll, mehr nicht. Ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die schon lange vor diesem Gesetz eine Zertifizierung bei einer Tierärztekammer oder der IHK ablegten und dafür viel Geld bezahlten – die haben jetzt auf einen Schlag ganz viele KollegInnen auf „gleicher Augenhöhe“. Aber auch ein Schlag ins Gesicht für die Tierärztekammern, deren Zertifizierung jetzt eigentlich gar nichts Besonderes mehr ist, sondern zum Mindestmaß an Sachkunde herabgestuft wird. Nun denn…

Alles in allem gesehen, ist es sicherlich toll, eine Zertifizierung bei einer Tierärztekammer abzulegen, doch sollte dies jedem freigestellt sein und nicht von einer Erlaubnis zum Führen einer Hundeschule vorausgesetzt werden.

Ich harre hier weiterhin der Dinge, die auf mich zukommen, ich habe Angst, dass mir das Veterinäramt meine Existenz raubt, weil ich nach 22 Jahren Hundetrainertätigkeit und vielen besuchten Seminaren sowie einem regelmäßigen Austausch mit KollegInnen offenbar nicht sachkundig bin. Mit großem Bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass einige meiner KollegInnen in meinem direkten Umkreis ihre Hundeschule – ihren Traum – bereits aufgegeben haben, weil sie das Geld für eine derart teure Prüfung nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln können, weil es sich für viele, die nur im Nebengewerbe tätig sind, einfach nicht lohnt.

Auch ich habe schon darüber nachgedacht, meine Hundeschule zu schließen, aber ich trage auch eine Verantwortung gegenüber meinen Kunden, die mir vertrauen, die weiterhin bei und mit mir trainieren möchten, die meine Art des Umgangs mit Hunden und Menschen schätzen, die aufgrund der Verhaltensänderungen ihres Hundes deutlich erkennen, dass Wissen und somit Sachkunde vorhanden ist und ich dieses auch vermitteln kann. Aber ich habe mich entschieden, für meinen Traum zu kämpfen, solange ich die Kraft dafür aufbringen kann, denn einen teuren Rechtsstreit kann ich mir ebenfalls nicht leisten. So bleibt wirklich zu hoffen, dass mein zuständiges Veterinäramt einlenkt und im Rahmen einer Einzelfallentscheidung erkennt, dass das, was gefordert wird, bei mir definitiv vorhanden ist.

Ich habe keinerlei Problem damit, vom Veterinäramt überprüft zu werden, ich bin auch gerne bereit ein Fachgespräch zu führen, man darf meine Trainings besuchen, beobachten, beurteilen und bewerten, ich lerne sehr gerne und sträube mich definitiv nicht dagegen, neues Wissen dazu zu lernen, aber ich sträube mich gegen derart viel Willkür seitens der Ämter. So etwas kann und will ich nicht unterstützen, das widerspricht meinem persönlichen Charakter.


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