Andrea W. – Leverkusen – NRW

 

Prüfung-verweigert
Andrea W. – Leverkusen – NRW

 

Ich heiße Andrea Winkler und komme aus Leverkusen. Bereits im Sommer 2013 hat mich mein Veterinäramt angeschrieben, dass Hundetrainer ab dem 01.08.14 eine Sachkunde nachweisen müssen. Man schrieb mir, dass es eine Anerkennung für die Zertifizierung der beiden Tierärztekammern in Schleswig Holstein und Niedersachsen gäbe. Wenn ich über eine andere Art der Sachkunde verfügen würde, dann sollte ich mich dringend mit ihnen in Verbindung setzen. Ein Antrag auf Erlaubnis zur Erteilung lag bei. Also habe ich sofort mein polizeiliches Führungszeugnis besorgt und bereits im Oktober 2013 alle Anträge gestellt und meine Unterlagen eingereicht.

Ich habe eine einjährige Ausbildung als Mensch-Hund-Therapieteam absolviert, mit anschließenden Praktikumsstunden. Ein Teil dieser Ausbildung deckt schon das Fachwissen ab, welches von offizieller Seite bekannt gegeben wurde. Anschließend habe ich eine Ausbildung als Hundetrainerin bei Ziemer und Falke absolviert. Diese Ausbildung bescheinigt mir, dass ich nach den Richtlinien zur Zertifizierung der TÄK Niedersachsen und Schleswig Holstein ausgebildet wurde. Meine beiden Ausbilder sind zertifiziert und Frau Falke auch Mitglied der Prüfungskommission in Niedersachsen. Ich hatte mich aus oben genannten Gründen für diese Ausbildung entschieden, weil ich es wichtig fand, dass meine Ausbildung diese Sachkunde abdeckt.

Nach der Ausbildung eröffnete ich also meine Hundeschule im Jahr 2013 – bevor es den § 11 gab. Während meiner Arbeit habe ich mich weitergebildet. Ich besuchte Seminare von: Turid Rugaas, Mechthild Käufer, Dr. Udo Gansloßer, Christine Sondermann, Sabine Winkler, Mirjam Cordt, Dr. Maria Hense. Außerdem habe ich mich bei der Kölner Hundeakademie weitergebildet und mich dort nach § 11 TierSchG prüfen lassen. Die bestandene Prüfung kann als Qualifikations-Nachweis für Hundehalter (Züchter, Pensionen, Dogsitter, Hutas, Tierschutzorganisationen, Tierheime) gemäß §11 TierSchG gelten (Anerkennung der Kölner Hunde-Akademie durch LANUV NRW). Zusätzlich kann die Sachkundeprüfung nach § 10 LHundG NRW abgelegt werden. Die hatte ich eh, habe ich aber nochmal gemacht.

Zusätzlich habe ich bei Trainern hospitiert.

Diese ganzen Unterlagen gingen also raus. Kurze Zeit danach kam ein Anruf des Veterinäramtes, dass sie nicht jede einzelne Ausbildung prüfen könnten und das es ja unmöglich wäre zu sagen, welche Ausbildung in Ordnung wäre und man wüsste ja auch nichts über die Inhalte. Ich habe ihr gesagt, dass ich die Inhalte belegen könne und sie daraus ersehen würde, dass meine Ausbildung die erforderliche Sachkunde in vollem Umfang abdeckt. Ich habe meine Ausbilder angeschrieben, die mir diese Unterlagen zusammengestellt haben und genau auflisteten, was ich alles gelernt habe und wie viele Stunden ich in Theorie und Praxis absolviert habe. Diese zusätzlichen Informationen gingen dann auch an das Veterinäramt.

Außerdem erzählten mir meine Ausbilder, dass sie jedes! Veterinäramt angeschrieben haben und ihre Ausbildung erläutert haben, damit die Veterinärämter sehen können, was der genaue Inhalt der Ausbildung ist. Sie stünden auch für Rückfragen zur Verfügung. Außerdem wurde ein Antrag auf Gleichwertigkeit gestellt. So sollen Ausbildungen geprüft werden und wenn sie gut sind und den Richtlinien entsprechen, dann sollen sie genauso anerkannt werden, wie die Zertifizierungen. Das ganze dauert aber lange. Viele Ausbilder haben diese Anträge gestellt und alle warten noch auf eine Entscheidung. Über uns Hundetrainer wird aber jetzt entschieden.

Danach habe ich ein Jahr lang nichts mehr vom Veterinäramt gehört. Als der 01.08.2014 erreicht war, habe ich mich gefreut, weil ich mir sicher war, dass ich nun durch das Veterinäramt anerkannt bin. Immerhin hatten sie jetzt fast ein Jahr lang Zeit, meine Unterlagen zu prüfen und wenn sie nach einjähriger Bearbeitungszeit nichts zu bemängeln haben, war ich mir sicher, dass alles in Ordnung ist.
Am 17.September 2014 erfuhr ich dann in einem Brief, dass gar nichts in Ordnung ist und ich jetzt innerhalb von 2 Monaten – bis zum 30.11.2014 meine Sachkunde durch die bereits erwähnte Zertifizierung durch die TÄK oder durch die IHK Ausbildung oder aber durch eine Ausbildung der ATN, die in der Schweiz staatlich anerkannt ist zu beweisen. Ansonsten hätte ich noch die Möglichkeit ein Fachgespräch im Veterinäramt zu führen. Das Fachgespräch bestünde aus einem multiple choice Test, einer Videosequenzanalyse und dann noch einer Prüfung mit einem Hund-Halter Gespann. Die Kosten würden nach Aufwand berechnet.

Ich war echt platt, nach einem Jahr Bearbeitungszeit kriege ich im Prinzip das gleiche Schreiben wie am Anfang? Wenn man nicht bereit ist, irgendwas anderes anzuerkennen oder Bestandschutz zu geben, hätte man das nicht schon Monate vorher wissen können?

Ich habe mich dazu entschlossen, dem Veterinäramt ein weiteres Schreiben zuzusenden. Ich habe mich auf die allgemeine Verwaltungsvorschrift berufen:

In der AVV Tierschutzgesetz, Ziffer 12.2.2.2 heißt es:

Zitat Anfang

„Die für die Tätigkeit erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten sind in der Regel anzunehmen, wenn die verantwortliche Person
– eine abgeschlossene staatlich anerkannte oder sonstige Aus- oder Weiterbildung absolviert hat, die zum Umgang mit den Tierarten befähigt, auf die sich die Tätigkeit erstreckt oder
– auf Grund ihres bisherigen beruflichen oder sonstigem Umgangs mit Tieren, bsw. durch langjährige erfolgreiche Haltung der betreffenden Tierarten, die für die Tätigkeit erforderlichen fachlichen Kenntnisse hat.“

Zitat Ende

Ich habe mich durch sonstige Aus- und Weiterbildungen sachkundig gemacht und meine Hundeschule bestand auch schon, bevor es die Erlaubnispflicht gab.

Mein Veterinäramt schrieb übrigens, dass sich niemand darauf berufen könne, dass er schon langjährig tätig sei. Bestandsschutz würden sie nicht gewähren. Das wunderte mich auch, weil es ja nicht dieser allgemeinen Verwaltungsvorschrift entspricht.

Ich machte mich weiter schlau und erfuhr, dass die Veterinärmter durch die LANUV dazu angehalten wurden, einzelfallbezogen zu entscheiden. Aber wenn pauschal nur diese 4 Ausbildungen bzw. Abschlüsse anerkannt werden, dann zeigt das meines Erachtens doch, dass nicht einzelfallbezogen entschieden wird.

Tja, seitdem läuft meine Frist so langsam ab und das Veterinäramt hat mir noch nicht geantwortet.

Das Warten ist zermürbend und ich weiß nicht, ob und wie ich weitere Kurse planen soll.

Besonders betroffen gemacht hat es mich, als ich hörte, dass ein Trainerkollege in meiner Nachbarstadt, der auch die Ausbildung bei Ziemer und Falke gemacht hat, seine Anerkennung bekommen hat. Nicht falsch verstehen, ich halte ihn für absolut sachkundig und er hat seine Anerkennung verdient, aber es ist frustrierend, dass ich 30 km weiter sachkundig wäre, einfach weiter arbeiten könnte. 30 km entscheiden über meine Sachkunde.

Und warum ich keine Prüfung mache?

Zum einen gibt es keine offizielle Prüfung, auch da werden Dinge unterschiedlich gehandhabt. Es gibt ja auch keine Prüfungsordnung eben weil es keinen Beruf Hundetrainer gibt.

Ich hatte dem Veterinäramt gesagt, dass es doch um Tierschutz ginge und darum, ob ich tierschutzwidrig arbeite. Ich habe mich bereit erklärt, dass sie jederzeit auch unangemeldet in eine Stunde zu mir kommen könnten. Diese Einladung haben sie nicht angenommen.

Zum anderen sind die Prüfungen unheimlich teuer. Mittlerweile zahlen manche bis zu 1000 € für diese Fachgespräche und dann erhalten sie eine befristete Erlaubnis. Man ist dann nicht durch, man muss dann nach ca. 3 Jahren den nächsten Antrag stellen und dann geht das ganze von vorne los.

Ich habe damals gemacht, was ich machen konnte, damit ich sachkundig bin. Der Gesetzgeber hat keinerlei Anforderungen an Hundetrainer gestellt und es gab keine Möglichkeit eine staatliche Ausbildung zu machen oder eine zertifizierte Ausbildung. Auch jetzt ist es so, dass es keinen Beruf Hundetrainer gibt. Es gibt unterschiedliche Methoden, verschiedene Ansätze und es gibt sehr viele verschiedene Bereiche. Es gibt viele Spezialisten unter den Trainern, die nur Hundesport oder dog dancing unterrichten oder nur Jagd- oder Blindenhunde ausbilden und und und – wie will man denen mit einer solchen Prüfung gerecht werden?

Wie soll eine kleine Hundeschule diese Kosten auffangen?

Ich weiß es nicht. Und dann die Auflagen, die die Veterinäramter noch zusätzlich erfüllt haben wollen: Bestandsbücher, nur geimpfte Hunde dürfen trainiert werden.

Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland und wie soll ich eine Welpengruppe anbieten. Nach der sozial sensiblen Phase, wenn alle geimpft sind?

Wenn ich für tausend Euro eine Prüfung machen muss, dann nur eine Erlaubnis für drei Jahre erhalte und noch Aufflagen erfüllen muss, die mehrere Seiten füllen, dann mag ich auch nicht mehr. Ich fühle mich meinen Kunden und ihren Hunden verpflichtet, ich mag keine Daten von denen sammeln und ich lehne auch keine Welpen ab oder kranke Hunde, die nicht geimpft werden sollten, es sei denn, sie wären durch ihre Krankheit eine Gefahr für andere Menschen oder Hunde.

Wenn dann mein “Beruf” so aussehen würde, dann mag ich ihn auch gar nicht mehr ausüben.

Update Dezember 2014

Weil meine Frist am 30.11.2014 ablaufen sollte und ich keinerlei Rückmeldungen auf meine Schreiben zum Veterinäramt bekommen habe, habe ich im November 2014 eine Anwältin konsultiert, die dann meinen Fall übernommen hat.

Sie konnte erreichen, dass das Veterinäramt meine Sachkunde grundsätzlich anerkennt und auf die sehr teure dreiteilige Prüfung verzichten wird. Jetzt steht nur noch im Raum, dass ich eine praktische Prüfung machen soll.

Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

 

Update Februar 2015

Das Veterinäramt ist nun wieder davon abgerückt, dass ich grundsätzlich sachkundig sei. Allerdings verzichten sie trotzdem auf das Fachgespräch und möchten nur eine praktische Überprüfung meiner Fähigkeiten. Im Dezember schien es mir ja noch logisch, wenn sie mich für grundsätzlich sachkundig halten, dann kann ich es ja im Prinzip verstehen, wenn man sich mal ein Training ansehen möchte – obwohl ich mich frage, ob das die AVV wirklich hergibt? Aber wenn ich wirklich sachunkundig bin, was macht es dann für einen Sinn, dass ich nur eine praktische Überprüfung machen muss?

Die praktische Überprüfung war für Januar 2015 angekündigt – die fand aber nun auch nicht statt.

Es gibt ein Angebot des Veterinäramtes, dass wir uns nochmal zusammensetzen und das ganze besprechen – dieses Angebot nehme ich natürlich an. Ich hoffe so sehr, dass die Zeit des Wartens für mich mal beendet ist.

 

Ein Gedanke zu „Andrea W. – Leverkusen – NRW

  1. Mir fehlen die Worte…!!!

    Gibt es inzwischen positive Nachrichten???

    Alles Liebe wünscht Nicole,

    die versucht ihre britischen Qualifikationen hierzulande, in Köln, anerkannt zu bekommen…

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